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Die Monheimer Schützen-Schießanlagen

 

 

 

Die Monheimer Schützen-Schießanlagen

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts begann man aus strategischen Gründen mit der Aufgabe der befestigten Orte und so ward auch zu Monheim die „Burgerwehr“ ihres Auftrages enthoben, überflüssig geworden. Die Stadt führte ihr Schiesshaus, nachdem es noch bis 1872 von der zu Monheim stationierten „Landwehr-Compagnie„

benutzt worden war, anderen Zwecken zu, bis es nach dem 2. Weltkrieg als schier unbewohnbar aus verkehrstechnischen Gründen der Spitzhacke zum Opfer fiel. Damit waren die schon eingangs angeführten Schützenvereine der Stadt gezwungen selbst nun für nötige Schießanlagen aufzukommen.

Die privilegierten Feuerschützen hatten oben im Sixtenschlag des Staatswaldes, im sogenannten „Casino-Wäldchen“ neben ihrem gastlichen Pavillon und Kegelbahn einen eigenen Schießstand. Dort zielten sie als standesbewusste „Vereinler“ in zwei Ständen auf die Haupt- und Glücksscheibe, was aber fürs Sommerfest- und Kirchweihschiessen nicht ausreichte. Da waren sie dann Gast im Schießgarten der Landwehr-Compagnie. Sie luden zu ihren Veranstaltungen nur gleich bevorzugte Schützengesellschaften ein und nahmen auch nur deren Einladungen an, wie zum Beispiel die der privilegierten Hauptschützengesellschaft München anno 1884, anlässlich des Jubiläumsschiessens zur Feier des allerhöchsten Geburts- und Namensfestes seiner Majestät des Königs Ludwig des II. von Bayern, wobei sie wacker, aber ohne viel Erfolg auf die damalige Haupt-, Kranz-, Glück-, Feld- und Adlerscheibe schossen. Mit dem Abgang der Casino-Gesellschaft Monheim nach dem 2. Weltkriege, lies auch der Eifer ihrer Feuerschützen nach, bis auch ihre Stutzen schließlich schwiegen. Das war für das staatliche Forstamt endlich der gegebene Anlaß, ohne Aufsehens das Casino-Wäldchen einebnen und aufforsten zu lassen.

Die Zimmerstutzengesellschaft dagegen hatte nach Aufgabe des „Hirschen“ in der „Bruck“ und danach im „Löwen“ Unterkunft mit allerdings weniger guten Schießmöglichkeiten gefunden. Dafür hatte es der Burschenschützenverein beim Kronenwirt besser erraten, der ihnen für ihren Schießbetrieb dazu noch seinen gastlichen Sommerkeller überließ.

Dort durften selbst die „Bruckler“ am 16. Juli 1906 ein Preisschießen abhalten, bei welchem neben den Monheimer Burschenschützen noch die Vereine aus Wemding, Fünfstetten, Buchdorf, Rögling und Tagmersheim mit insgesamt 87 Schützen zu Gaste waren.

Trotz der dortig herrschenden Enge war man ganz gut zu Rande gekommen. Punkt 12 Uhr hatte ein Böllerschuss den Wettkampf offiziell eröffnet und alsbald knallten auf 4 Ständen die ersten Schützen mit ihren Stutzen gegen die Scheiben, was nach Augenzeugenbericht manch animierten Zuschauer nicht selten ein Schmunzeln abzwang, wenn sie dabei das Mienenspiel der mehr oder minder erfolgreichen Wettkämpfer verfolgten, wie beispielsweise ein glücklicher Schütze nach einer gelungenen „Zwölf“ mit geschwellter Brust seinen stolzen Blick in die Runde warf oder ein Pechvogel nach dem Fahnenschwingen und vernehmlichen „Gickericki“ des Zielers skeptisch seine Knarre betrachtete.

Nach gelungenem Preisschiessen trat dann der Wettkampfausschuss in Aktion und hatte alle Hände voll zu tun, um aus den vielen geschossenen „Standeln und Losen“ die Sieger zu ermitteln. Geschossen hatte man auf die Ehren-, Glücks- und Feldscheibe, auf welchen zum Leidwesen der Monheimer Zimmerstutzengesellschaft die Gastschützen die besseren gewesen waren.

Während des Preisschiessens waren Stadtkapelle und Kronenwirt unermüdlich bemüht gewesen, ihre Gäste durch musikalische wie leibliche Kost in bester Stimmung zu halten, so dass die Veranstalter bei schönem Wetter mit dem Verlauf ihres Preisschiessens vollauf zufrieden sein durften.

Als die „Bruckler“ anlässlich ihres 50-jährigen Vereinsbestehens für den Sommer 1908 das Gau-Ries-Schießen auszurichten hatten, ward dafür der Kronenwirt-Sommerkeller um etliche Schützenschuhlängen wohl zu klein.

So entschied man sich für den Garten der neuen Bahnhofrestauration als Austragungsort des edlen Wettsportes, da man dort durch eventuelle Überdachung der provisorischen Schießanlage bei jedem Wetter den Gaukampf austragen konnte. Dazu ward ein „Neunerausschuß“ aus drei einheimischen und sechs auswärtigen Schützen gebildet worden. So konnte denn bei idealem Kaiserwetter das Schiessen auf 5 Scheiben - auf die Ehren-, Bundes-, Standring-, Feldring- und Glücksscheibe glücklich beginnen.
Während man bei den ersten vier Scheiben mit Kaliber bis 12 mm auf 15 Meter Distanz ging, schoss man auf die letzte in 20 Meter Entfernung, wobei drei Schuss als eine Serie bewertet waren. Sämtliche Stände hatte man mit „Schöllscher - Schulochdeckung“ ausgestattet, wodurch rasche und einwandfreie Ergebnisse gesichert werden konnten.

In der Zeit aber, da die Schützen unentwegt auf die Scheiben ballerten, waren Stadtkapelle und Liederkranz vollen Eifers dabei, mit heiteren Weisen und stimmungsvollen Liedern die anwesenden Gäste, so die titulierte Beamtenschaft der Stadt, ihre hochwürdige Geistlichkeit und ehrsamen Bürger bis zur Preisverteilung die Stunden im anschließenden Schmidbauers Garten angenehm zu verkürzen.

Das war wohl der Monheimer Bürgerschützen über den ersten Weltkrieg hinweg letztes großes Auftreten in Monheimer Öffentlichkeit, bevor ihre Vereine im Dritten Reiche mehr oder minder in den nationalsozialistischen Formationen aufgingen.

 

 

 

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